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Offener Brief an Papst Franziskus

Von Murxredaktion am So, 16.07.2017 - 13:11
Briefverlauf
Empfangsbestätigung Brief an Papst Franziskus

Seine Heiligkeit Papst Franziskus
Palazzo Apostolico
00120 Città del Vaticano, Rom
Italien

Graz, 22. Juli 2017

Sehr verehrter Bruder Franziskus!

Tief betroffen wende ich mich an Sie, den obersten Repräsentanten der Katholischen Kirche. Ich lebe in Graz/Österreich. Seit nunmehr 8 Jahren kämpfen engagierte Menschen, um die Zerstörung der noch frei fließenden Mur durch ein Wasserkraftwerk mitten in der Stadt zu verhindern.

Die wichtigsten Gründe sind, dass Graz als Feinstaubhochburg besonders dringend die tausenden Bäume der Uferlandschaft der Mur für das Stadtklima braucht, um den die Gesundheit der Menschen belastenden Staub und die Hitze zu reduzieren.

Im Morgengrauen des 6. Februar 2017 wurde überfallsartig mit dem Bau des Kraftwerkes begonnen und teilweise hundertjährige Bäume umgeschnitten. Laut Baumzählung werden bis zur Fertigstellung des Bauwerks samt Zentralem Speicherkanal rund 16.500 Bäume ihr Leben lassen und dem Menschen niemals wieder Sauerstoff, Schatten oder Kühle spenden.

Zudem wurden tausende Vögel obdachlos. Auch Tiere wie Würfelnatter und Huchen (größter in der Mur lebender Fisch), beide auf der roten Liste des Artenschutzes, verlieren ihren natürlichen Lebensraum. All das, für ein nicht energieeffizientes Kraftwerk, das in keiner Relation zur dafür erforderlichen Umweltzerstörung steht.

Wir aus der Zivilbevölkerung verlieren Naherholung, die bis jetzt kostenfrei war. Direkte Anrainer und Anrainerinnen verlieren auf Dauer Lebensqualität und bekommen stattdessen höchste Belastungen bis hin zur Gesundheitsgefährdung.

Gemeinsam mit einem Zentralen Speicherkanal werden der Stadt und ihren Bürger/innen Kosten in Höhe von rund 100 Millionen Euro aufgebürdet, die auch zu „Einsparungen“ bei den Ärmsten der Stadt führen, in dem der Zugang zu sozialen Leistungen erschwert wird oder Preise für öffentliche Dienstleistungen für die breite Masse erhöht werden.

In unserer Verzweiflung haben wir auch unseren Bischof Krautwaschl mehrmals angeschrieben. Leider bekamen wir von ihm zu keiner unserer Anfragen bis heute Antworten.

Schmerzlich ist auch, dass die regionale Zeitung („Kleine Zeitung“) die dem katholischen Pressverein gehört, ihrem Auftrag nach Information und der Förderung christlicher Werte nicht nachkommt, denn über das was der Schöpfung hier angetan wird, wird nicht umfassend berichtet.

Verehrter Bruder Franziskus, Ihre Ausführungen in „Laudato si“ zur Schöpfung beeindrucken mich durch die Geradlinigkeit und Weitsichtigkeit. Gleiches wünsche ich mir auch von der Kirche vor Ort in Graz, nicht nur in Worten, sondern auch in Taten, denn: „Wenn man schon in der eigenen Wirklichkeit den Wert eines Armen, eines menschlichen Embryos, einer Person mit Behinderung (….) nicht erkennt, wird man schwerlich die Schreie der Natur selbst hören!“

Ich hoffe, dass Sie meine Worte in jener Stimmigkeit und Dringlichkeit erreichen, in der ich sie zum Ausdruck bringen möchte. Hier geht es wirklich um sehr viel für die vor Ort lebenden Menschen.

Ich bitte Sie, sehr verehrter Bruder Franziskus inständig, um Ihre Unterstützung. Vielleicht kann ein durch Sie verfasster Apostelbrief an alle Pfarren und unseren Bischof wirksam sein, um wenigstens Gespräche zwischen Politiker/innen und der katholischen Kirche unter Zuziehung der Grazer Bevölkerung anzuregen oder zu starten, damit auch unsere Kinder ein lebenswertes, menschenwürdiges Umfeld für die Gestaltung ihres Lebens vorfinden und zwanglos lernen, die Schöpfung wertzuschätzen und zu pflegen.

Ich weiß schon, dass es noch ärgere Bedrängung, Krieg und Leid auf dieser Welt gibt, die es zu bewältigen gilt. Allerdings sind unser Lebensraum und der Erhalt der Schöpfung auch essenziell für unsere Zukunft. Die Naturzerstörung in unserem Lebensumfeld wird – so sie vollständig umgesetzt wird – dazu führen, dass Menschen der Gefahr ausgesetzt werden, psychisch und physisch krank zu werden. Außerdem werden rund 80 % der Tiere im Fluss aussterben oder von Baggern und Maschinen überrollt werden.

Mit allergrößter Hochachtung und Respekt

 

Karin Rausch und MitunterzeichnerInnen

 

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